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Können Wände wirklich atmen?

Kennen sie das Märchen von den atmenden Wänden?
Immer wieder trifft man auf die Meinung, die Wände eines Hauses müssten atmen, damit sich die Luft im Haus erneuern kann. Diese Theorie geht zurück auf Max von Pettenkofer, der sie im vorletzten Jahrhundert aufgestellt hat. (Pettenkofer, M.v.: Populäre Vorträge "Über das Verhalten der Luft zum Wohnhaus des Menschen". Braunschweig 1877).
Diese Meinung ist längst überholt, sie hat sich aber offenbar in den Köpfen festgesetzt.

Keine "atmende Wand"
Ritzen und Leckagen in der Bauhülle sind absolut ungeeignet als Ersatz für ein modernes, energiesparendes Lüftungssystem. Auch die Diffusionseigenschaft von Baustoffen in der Bauhülle kann diese Aufgabe nicht übernehmen. Es gibt keine Bauweise, die für sich reklamieren kann, dass bei ihr eine Lüftung nicht erforderlich ist. Es sei denn, die Ausführung ist im Gesamten undicht. Zufuhr von Sauerstoff, Feuchtigkeitsausbringung über die verbrauchte Luft und Reduktion von CO2 und Schadstoffen in der Raumluft ist ausschließlich die Aufgabe der Lüftung. Der Begriff "atmende Wand, atmendes Haus" gilt in Fachkreisen als unseriös, selbst bei den meisten Baubiologen.

"Atmende Wände" sind ein fataler Irrtum !
Ungedämmte Außenwände aus Mauerstein werden oftmals als "atmende Wände" bezeichnet. Ihnen wird angedichtet, sie könnten Feuchte- und Schimmelschäden vermeiden helfen und ein gutes Innenraumklima herstellen. Die Folge: Wer an eine Atmung seiner Wände glaubt, ist meistens nicht bereit, den Wärmeschutz der Wand durch Außen- oder Innendämmung zu verbessern und nimmt damit hohen Heizenergieverbrauch, Unbehaglichkeit, mögliche gesundheitliche Schäden und unnötige Umweltbelastungen in Kauf. Durch Wärmedämmung wird es in den Wohnräumen behaglicher und die Gefahr von Bauschäden nimmt ab. Für die Behaglichkeit ist die Temperatur der Innenoberflächen aller raumumschließenden Bauteile verantwortlich. Je kälter (ungedämmte) Wände, Decken, Fußböden und Fensterscheiben sind, desto stärker muss die Innenluft aufgeheizt werden, um noch ?behaglich wohnen? zu können. Hinter gut gedämmten Außenbauteilen kann man sich auch bereits bei 18 bis 20 Grad Celsius wohl fühlen. Jedes eingesparte Grad Celsius bedeutet eine Einsparung von 6% Heizenergie.
Letztlich ziehen auch Menschen im Winter wärmedämmende Mäntel an, um sich vor der Kälte zu schützen. An einer kalten Flasche aus dem Kühlschrank schlägt sich binnen kurzer Zeit Wasserdampf nieder. Bei kalten Wänden tritt der selbe Effekt auf, sie "schwitzen". Es sind gerade die ungedämmten Wände, die in Ecken, Kanten und Laibungen bei tiefen Außentemperaturen sehr kühl werden. Tauwasserausfall aus der feuchten Raumluft an solchen "Wärmebrücken" mit anschließender Schimmelbildung kann die Folge bei ungedämmten ("atmenden") Wänden sein. Der Bauschaden ist vorprogrammiert und die eigene Gesundheit gefährdet. Nach der Dämmung von Wänden und Decken tritt Schimmel- und Feuchtebefall nicht mehr auf, weil sich die Innenluft nicht mehr so stark abkühlt.

Schließlich ist noch auf die DIN 4108 von 1969 hinzuweisen, die sich wie ein Lehrbuch liest:

"Ein Atmen der Wände im Sinne einer Lufterneuerung der Innenräume findet nicht statt. Dagegen ist aus hygienischen und bautechnischen Gründen auf der Innenseite der Wände eine gewisse Aufnahmefähigkeit für Wasserdampf erwünscht; üblicher Innenputz, auch saugfähige Pappen und dgl. erfüllen diesen Wunsch (Pufferschichten). Um das Eindringen der von dieser Schicht bei hohem Feuchtigkeitsgrad der Raumluft aufgenommenen Wasserdampfmenge ins Innere der Bauteile zu verhindern, kann die Anordnung einer unmittelbar anschließenden möglichst wasserdampfundurchlässigen Schicht (Dampfsperre) zweckmäßig sein, besonders bei mehrschichtigen Wänden. Die von den Pufferschichten aufgenommenen Feuchtigkeitsmengen sollen in Zeiten mit geringem Feuchtigkeitsgrad wieder an die Raumluft abgegeben werden. Dies wird durch Lüften der Räume (Öffnen der Fenster, Einbau von Lüftungsschächten u.dgl.) gefördert."

Koennen_Waende_wirklich_atmen.pdf

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